Ein Fall von Endocarditis ulcerosa mit Embolie der Basilararterie1)
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Abstract
Priv.-Doc. und Assistenten der Klinik. Das Herz, welches ich hier herumreichen möchte, gehörte einer 3ljährigen Aufwärterin an, welche am 16. April d. J. auf meine Abtheilung aufgenommen wurde und am 20. d. Mts. gestorben ist. Sie ist bis Weihnachten leidlich gesund gewesen, erkrankte um diese Zeit an Gelenkschmerzen, speciell im Hüftgelenk und im linken Ellenbogengelenk, aber nicht in heftiger Weise. Sie war nur vorübergehend tageweise bettlilgerig und schleppte sich im übrigen hin. Im April wurde ihre Mattigkeit grösser, sie ging zu einem Arzt, der ihr mittheilte, dass sie herzkrank sei, und ihr rieth, ein Krankenhans aufzusuchen. Als sie zu uns kam, bot sie die Erscheinungen einer Dilatation des linken und rechten Herzens, ausserdem waren die Zeichen einer Aorteninsufflcienz und einer gleichzeitigen Mitralstenose vorhanden. Sie zeigte ferner nicht ganz regelmässige Fieberstösse, in der ersten Zeit mässiger Art bis 38,5, weiterhin bis 39,7. Auffällig war auch die grosse Pulsfrequenz, die von 120-150 schwankte, und aus diesen und anderen Erscheinungen wurde die Diagnose auf eine Endocarditis gestellt. Am 19. d. Mts. wurde sie morgens schläfrig, die Schläfrigkeit ging alimähUch in ein Coma liber, in welchem sie nach etwa 20 Stunden starb. Herderscheinungen irgend welcher Art waren nicht aufgetreten, mit Ausnahme einer linksseitigen Verengerung der Pupille. Während der Krankheit waren von bemerkenswerthen Symptomen nur massiger Bluthusten mit vorübergehendenErscheinungen von verbreitetem Crepitiren aufgetreten, was als Infarcterscheinung gedeutet und von uns zur Stütze der Diagnose auf Endocarditis benutzt wurde. Die Section (Dr. Langerhans) bestätigte die Diagnose. Es zeigte sich in der That, dass ein hoher Grad von ulceröser Endocarditis der Semilunarkiappen der Aorta, der Mitralis und der Tricuspidalis vorlag, welche an den Semilunarkiappen hauptsächlich den Anlagerungstheil zerstört und dadurch zur Incontinenz und ferner zu einer mässigen Stenosirung der Mitralis geführt hatte. Sie werden sehen, welche ausserordentlich langen polypösen Fibrinniederschläge besonders an den Aortenklappen haften, einzelne mehrere Centimeter lang. Diese Fibrinbeschläge ziehen von den Aortenklappen an der ilerzwand herunter, hauptsächlich nach der Mitralis hin, wo sie die Ränder bekleiden. In geringerem Maasse sind die Tricuspidalkiappen am Rande befallen. An der Mitralis findet sich ausserdem eine kaum erbsengrosse Geschwulst, welche sich als ein Haematom erwiesen hat. Die Fibrinniederschläge sind völlig mit dem Endocard verfilzt, welches ihrem Ansatz entsprechend ulceröse Substanzverluste zeigt. Ferner fand sich bei der Section noch eine disseminirte pneumonische Infiltration der Lungen, Infarcte der Nieren und der Muz und als Todesursache eine Embolie der Basilararterie, und zwar an einer Stelle, welche äusserst selten Embolie zeigt, nämlich an der Theilung der Basilaris in die beiden Arteriae profundae cerebri. Hauptsächlich wegen dieses seltenen Vorkommnisses wollte ich Ihnen das Präparat zeigen. Leider ist der Embolus nach dem Aufschneiden der Arterie zum Theil herausgefallen. Sie sehen jedoch, dass eine Thrombose in die linke Arteria profunda cerebri sich weit hineinerstreckt. Bei dieser Art von Embolie kommt es schnell zum tödtlichen Ausgang, weil rückwärts des Embolus die Circulationsstörung lebenswichtige Centren trifft, ohne dass erhebliche Herderscheinungen auftreten. Die einzige Herderkrankung, die im übrigen mit dem Sitz der Embolie übereinstimmt, war hier die linksseitige Pupillenverengung. Die Arteria profunda cerebri schickt Aestchen zu der Gegend der Oculomotoriuskerne. Ein auffälliger Umstand ist es, dass die Kranke fast einen Tag in einem zunächst schläfrigen, dann comatösen Zustande gelegen hat, auffallend, wenn man erwägt, dass durch die Embolie zunächst nicht die Hirnrinde betheiligt worden ist, höchstens der von der Arteria profunda cerebri versorgte Theil. Allerdings zeigte sich bei der Section eine ausgedehnte Anämie der Gehirnhemisphären, und man könnte daher glauben, dass das Coma vielleicht nur durch die mangelhafte Blutzufuhr, welche von der einen Seite her verlegt ist, zustande gekommen ist. Das ist möglich; ich