Normvollzug und Vernormung
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Abstract
Die Unentbehrlichkeit von Normen als Steuerungsinstrument moderner Gesellschaften, besonders solcher mit begrenzter Veränderungskapazität, ferner die traditionelle, verfassungsrechtlich abgesicherte Hochschätzung von Normen in Deutschland, aber auch Verantwortungsscheu und Sicherheitsbedürfnis sowie die Brauchbarkeit von Normen als Leistungsnachweis haben dazu geführt, daß mehr und mehr durch Normen geregelt wird. Solche Vernormung verursacht Störungen des Normvollzugs. Sie überfordert tendenziell die Informationsaufnahmefähigkeit der Normadressaten, beeinträchtigt die Legitimität von Normen, verursacht hohe Kosten, verhindert die sachgerechte Flexibilität von Einzelfallentscheidungen, erstickt Eigeninitiative und erschwert die Kontrolle des Normvollzugs. Um diese Dysfunktionen von Normen zu beheben, bedarf es verständlicherer und zukunftssicherer Normgestaltung, eines stärkeren normflankierenden Einsatzes der Verwaltung und der partiellen Ersetzung von Normen durch funktional äquivalente Steuerungsmittel. Vor allem aber muß auf Normen verzichtet werden, deren Nachteile ihre Vorteile überwiegen. Leitlinien für eine Abwägung der Vorund Nachteile von Normen sowie Hinweise auf Möglichkeiten einer organisatorischen Durchsetzung sachgerechter Normreduzierung versucht der nachstehende Beitrag zu geben.
