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Kritische Stellungnahme zum Begriff der Neuroleptika

PharmacopsychiatryPublished 1 July 1971
G Stille, Hanns Hippius
Citations123
SJR quartileQ1
SJR score0.94
SNIP1.20

Abstract

1. Als pharmakologische Charakteristika der Medikamente, die bei Schizophrenien therapeutisch wirksam sind, galten bisher der kataleptische Effekt, die Hemmung pharmakogener Stereotypien und bedingter Reflexe. Substanzen mit diesem pharmakologischen Wirkungsbild werden als Neuroleptika bezeichnet. 2. Der Begriff “Neuroleptikum” ist ursprünglich von Klinikern als Kurzformel für ein bestimmtes klinisches Wirkungsbild geprägt worden, wobei therapeutische Wirkungsqualitäten (“antipsychotischer Effekt”) und bestimmte Nebenwirkungen (extrapyramidalmotorischer Effekt) berücksichtigt wurden. 3. Der Nachweis einer antipsychotischen Wirkung beim Clozapin, dem die unter 1 aufgeführten pharmakologischen Wirkungen und die unter 2 erwähnten extrapyramidalmotorischen Nebenwirkungen fehlen, macht es zweifelhaft, ob überhaupt schon dem antipsychotischen Effekt äquivalente Wirkungen beim Tier und entsprechende charakteristische Nebenwirkungen beim Menschen erfaßt worden sind. 4. Kataleptogener Effekt im Tierversuch und extrapyramidalmotorische Nebenwirkungen bei therapeutischer Anwendung haben einen Wert als Indikatorphänomene nur dann, wenn es sich um klassische Neuroleptika handelt. 5. Begriffe wie der der “Neuroleptika” dürfen nicht zu schnell mit einer klinischen Wirkung identifiziert werden. Das Ziel pharmakopsychiatrischer und psychopharmakologischer Forschung muß es sein, neue Stoffe mit antipsychotischer Wirkung zu entwickeln. Dieses Ziel ist nicht gleichbedeutend mit der Suche nach immer neuen klassischen “Neuroleptika”, bei denen eine einzelne Nebenwirkung (extrapyramidalmotorische Störungen) bereits in die Definition des Begriffes eingegangen ist.

Keywords

Medicine