Flächenbedarf von Tierpopulationen - als Kriterien für Maßnahmen des Biotopschutzes und als Datenbasis zur Beurteilung von Eingriffen in Natur und Landschaft
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Abstract
Die Untersuchung des Flachenanspruchs von Tierpopulationen ist wegen folgender Gesichtspunkte wichtig: (a) Nachdem das Aussterben der Arten nicht nachlast, erhebt sich die Frage nach den Moglichkeiten im Naturschutz, quantitative Forderungen zu begrunden. (b) Da selbst gezielte Schutzmasnahmen sinnlos werden, wenn die Voraussetzungen fur das uberleben der Arten oder Lebensgemeinschaften nicht gegeben sind, mus man sich fragen, wieviel an Umweltverschmutzung reduziert werden mus, damit der Artenschutz verwirklicht werden kann. Der Extensivierungsspielraum an sich reicht nicht aus. Die Frage nach dem Flachenanspruch schliest den Gedanken einer mindestens Flachensicherung ein. Der Flachenbedarf einer Tierpopulation wird bestimmt durch (A) den Raumbedarf der Reproduktionseinheit, und (B) der Grose einer uberlebensfahigen Population. (A) variiert durch die individuell und im Jahresverlauf schwankenden Aktionsraumgrosen und die unterschiedliche Habitatqualitat. Die uberlebensfahigkeit (B) einer Population ist von Zufallsprozessen abhangig und daher nur einer gewissen Wahrscheinlichkeit abschatzbar. Vier verschiedene (nicht anthropogene) Faktoren konnen selbst in einem geeigneten Habi tat zum Aussterben von Populationen fuhren: (a) demographische und (b) genetische Zufallsprozesse, (c) Umweltschwankungen und (d) (Natur) katastrophen. Eine Absicherung gegen diese Risikofaktoren wird durch Vergroserung der Population, Erhohung der Zahl geeigneter Habitate und Verringerung der Isolierung zwischen den bewohnten Flachen erreicht. Eine Mindestforderung (Minimalareal die mindest notwendige Flache, die geschutzt werden mus) kann nur an der sog. minimum viable population bemessen werden. Die Gefahrdungsgradanalyse (population vulnerability analysis) fur eine bestimmte Tierart liefert die notwendigen Angaben zur Habitatqualitat, Flachengrose und Lage der Flachen, die fur die Zukunftssicherung einer Population unter naturlichen Bedingungen (z.B. mit 95%iger Wahrscheinlichkeit die nachsten 50 Jahre uberlebensfahig ) notwendig sind. Sowohl beim konstruktiven Artenschutz wie auch fur die Schadensbegrenzung bei Eingriffsregelungen sollte eine Zielart ausgewahlt werden, damit die Flachensicherung eindeutig quantitativ begrundet werden kann. Die Auswahl einer Zielart erfolgt nach Kriterien wie uberregionaler Gefahrdungsgrad, Schlusselart, Chancen der Populationssicherung und wird regional nach den bestehenden Voraussetzungen (Vorkommen, Habitatangebot, Regionalplan) angepast. Die wesentlichen Aspekte eines ZielartenKonzeptes sind: Der Flachenbedarf fur Schutz- und Ausgleichsmasnahmen wird an den Uberlebensaussichten einzelner Tierpopulationen bemessen -- Die Zukunftssicherung mus naturliche Bedingungen (nicht standige Stutzmasnahmen) voraussetzen -- Die Analyse von Risikofaktoren bildet die Grundlage fur die Abschatzung der Zukunftsaussichten. Es sind wissenschaftlich begrundete, quantitative Aussagen moglich. Durch die Sicherung von Flachen geeigneter Habitatqualitat profitieren viele weitere Arten von den Schutzmasnahmen. Es entsteht ein kunftiger Forschungsbedarf vor allem zu den Gefahrdungsgradanalysen ausgewahlter Zielarten. Fur die praktische Umsetzung sind die Aufstellung einer regional angepasten Zielartenliste, Habitateignungsanalysen und die Entwicklung von Populationsmodellen fur Zielarten von seiten der biologischen Wissenschaft notig.
