Alternative Strategien in der medikamentösen Tumortherapie: sozialanthropologische Dimension
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TL;DR
Diskussionen zwischen «Schulmedizin» und einer dazu «alternativen» oder «kom-plementaren» Medizin bleiben meist auf der Ebene terminologischer Abgrenzungen stecken.
Abstract
Diskussionen zwischen «Schulmedizin» und einer dazu «alternativen» oder «kom-plementären» Medizin bleiben meist auf der Ebene terminologischer Abgrenzungen stecken. Analoge Begriffsbildungen führen dabei nicht selten zu analogen Therapie-konzepten, die durch die deskriptive Relevanz ihrer zugrundeliegenden Begriffe nicht mehr gedeckt sind. Bei jeder Behandlung kommt jedoch eine tragfähige Thera-peut-Patient-Beziehung nur zustande, wenn die gegenseitigen Krankheitspara-digmen übereinstimmen oder zumindest kompatibel sind. Mit der Diagnose und den implizierten Erklärungsmodellen «verhandeln» Patient und Therapeut einen Auf-merksamkeitsfokus für die weitere Behandlung – seien es morphologische oder bio-chemische Tumorparameter, Verhaltensmuster oder Sinnzuschreibungen. Diagnose und Behandlung können somit als sozialer Prozeß und als kulturelle Konstruktion von Wirklichkeit auf dem Boden der Therapeut-Patient-Beziehung aufgefaßt werden, in der objektive Befunde weniger relevant sind als deren jeweilige dort stattfindende Interpretation. Die Entscheidung eines Patienten für eine unkonventionelle Krebsbehandlung ist stets auch ein Teil seiner Auseinandersetzung mit der bedrohlichen Krankheitsrealität, seines «Copings». Regelhaft auftretende existen-tielle Ängste und Gefühle von Hilflosigkeit – oder therapeutischer Ohnmacht auf Helferseite – werden dabei nicht selten mittels einer Kollusion zwischen den An-bietern einer «komplementären» Methode und dazu «komplementären» Patienten tabuisiert und auf eine polarisierende Gegenüberstellung von «schulmedizinischer» und «alternativer» Krebsmedizin verschoben. Eine Pro-Kontra-Auseinandersetzung erweist sich somit dem Phänomen unkonventionelle Krebstherapie immanent und läßt als Teil des Problems kaum eine Lösung erwarten.
